Die Provinzen Nordspaniens – Teil II

By TVG
Stadt,Sonnenuntergang, Gebirge

Nordspanien barcelona-buildings-city © Pexels.de

Während die Touristenströme aus ganz Europa in den Sommermonaten in den Süden Spaniens pilgern, bleibt die Pyrenäenregion um Aragón, La Rioja und Navarra im Norden des Landes ein echter Geheimtipp. Anstatt sich eng an eng mit den Sitznachbarn am Strand um jeden Zentimeter Handtuchfläche zu streiten, kann man hier eine einzigartige Berglandschaft bewundern und hervorragenden Wein genießen.

Outdoorfreunde und Aktivurlauber kommen genauso auf ihre Kosten wie Kulturliebhaber und Feinschmecker. Aber dafür sind die drei Provinzen Aragón, Navarra und La Rioja auch nicht ganz einfach zu erreichen.

Aragón, La Rioja und Navarra

Ohne Mietwagen oder starke Nerven im öffentlichen Nahverkehr Spaniens kommt man kaum in diese eher dünn besiedelten Regionen. Die meisten Reisenden fliegen zunächst nach Barcelona und machen sich dann auf den über 400 km langen Weg nach Pamplona. Alternativ ist der kleine Flughafen dieser Stadt auch per Inlandsflug erreichbar.

Manche Urlauber fliegen auch in den Süden Frankreichs, nach Biarritz oder Toulouse. Die Anreise dauert zwar länger, aber falls Reisende sich mit dem Mietwagen über die serpentinenartigen Straßen des Pyrenäengebirges trauen, belohnt sie die Route mit einem atemberaubenden Panorama.


Aragón – Das Königreich am Ebro

Die spanische Region Aragón gehört zu den größten Provinzen des Landes und erstreckt sich über 47 698 km². Damit ist Aragón etwa so groß wie die Slowakei. Allerdings leben hier nur 1,3 Millionen Menschen, die meisten davon in der Hauptstadt Saragossa. Den Urlaubern kommt dies zugute. Vor allem im Norden, im Vorland der Pyrenäen, finden sich menschenleere Landschaftszüge, in denen sich die überwältigende Natur genießen lässt.

Einige der besten Wanderwege Europas schlängeln sich durch den Nationalpark „Ordesa y Monte Perdido“. Dieser erinnert mit seinen tiefen, zerklüfteten Schluchten teilweise an den Grand Canyon. Die bizarren Felsformationen sind vor allem für Kletterer interessant. Aber auch Bergsteiger kommen auf ihre Kosten: Der namensgebende Monte Perdido stellt mit seinen 3 355 Metern eine willkommene Herausforderung dar.

valle de Ordesa, Pirineos, España

Eine Schlucht im Nationalpark „Ordesa y Monte Perdido“ im Norden von Aragón © bsanchez / Fotolia.com

Viele Flüsse fließen durch das ehemalige Königreich Aragón. Deshalb ist es auch sehr gut für Wildwassersportarten wie Kajak und Rafting geeignet. Der mächtigste dieser Flüsse, der Ebro, fließt auch durch die Hauptstadt der Provinz. Während der ländliche Teil der Region eher verschlafen wirkt, bietet Saragossa einen angenehm lebendigen Gegenpol. In seinen zahlreichen Bars wird hier ein ausschweifendes Nachtleben zelebriert. Der Altstadtkern hat beeindruckende Sehenswürdigkeiten wie den maurischen Aljafería-Palast und die Basillica del Pilar (das Wahrzeichen der Stadt) zu bieten.

Zu Aragóns Besonderheiten gehört seine Vielfältigkeit. In diesem ehemaligen Königreich kann jeder das erleben, was er sich unter Urlaub vorstellt. Motorsportfans zieht es ins „Motorland Aragón“, eine Rennstrecke auf welcher regelmäßig Rennen der Motorrad-Weltmeisterschaft stattfinden. Wer es beschaulicher mag und weniger auf Action aus ist, begibt sich zur Weinverkostung in eines der mittelalterlichen Klöster. In der Provinz gibt es zahlreiche Stifte wie das malerische Monasterio de Veruela oder das in einen Berg gebaute Kloster San Juan de la Peña.


La Rioja – Wein soweit das Auge reicht

Die kleinste Autonome Region Spaniens versteckt sich zwischen den Provinzen Kastilien, Navarra, Aragonien und dem Baskenland inmitten des Iberischen Gebirges. Dabei muss sich La Rioja nicht vor den größeren Provinzen verstecken. Die malerischen Landstriche laden zum Wandern, Fischen und Mountainbiken ein. Dabei wird die Gegend, abgesehen von den waldreichen Bergen der Sierra de la Demanda, vor allem durch das fruchtbare Ebrobecken geprägt.

Letzteres verhalf La Rioja zu weltweiter Bekanntheit: Der trockene, dunkelrote Wein wird von Kennern auf der ganzen Welt geschätzt und angepriesen. Die Winzer der traditionellen Bodegas lassen ihren Rotwein bis zu fünf Jahren in Fässern aus französischer Eiche nachreifen, den sogenannten „Barricas“. Das Ergebnis können Urlauber dann bei einer Weinverkostung mit Rioja-typischen Mahlzeiten wie Lammrippchen oder Flusskrebsen genießen.

Es kann im beschaulichen La Roja aber auch wesentlich wilder zugehen: Einmal im Jahr kommen die Menschen in der kleinen Gemeinde Haro zusammen und liefern sich eine wilde Schlacht mit – na klar – Wein. In zunächst strahlend weißer Kleidung und mit Spritzpistolen bis an die Zähne bewaffnet duellieren sich die knapp 5 000 Teilnehmer. Etwa 50 000 Liter Rotwein dienen als Munition.


Navarra – Stiere, Pilger und Fiesta

Ähnlich wie La Rioja und Aragón ist auch Navarra vor allem für drei Dinge bekannt: Eine außergewöhnliche Gebirgslandschaft, hervorragenden Wein und eine herausragende, traditionelle Küche. Das exquisite Fleisch und das frische Gemüse aus dieser Region dienen als Grundlage für die unvergleichlichen Tapas, die in Navarra zu allem serviert werden.

Die Menschen in Navarra sind Reisenden gegenüber sehr offen und freundlich: Der Jakobsweg führt schon seit Jahrhunderten mitten durch die Provinz und bisher hat noch jeder Pilger dort eine Unterkunft gefunden. Durch die abgeschiedene Lage in den Pyrenäen und die tiefen Täler im Norden des Landes hat sich aber bis heute ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein der Navarresen gehalten. In Teilen des Landes wird immer noch überwiegend baskisch gesprochen und man ist sehr stolz auf die eigene Kultur und die eigenen Traditionen.

Deshalb lieben es die Navarresen wohl zu feiern. Nirgendwo in Spanien sind die Fiestas länger. Der ganze Sommer dient vor allem als Feiersaison. Neben wilden Tänzen und Wettkämpfen in den sonst wenig bekannten, ländlichen Sportarten steht vor allem ein Event in der Hauptstadt Pamplona im Mittelpunkt: Der Stierlauf.

Die Feierlichkeiten rund um den „Encierro“ finden schon seit dem Jahr 1591 jährlich statt. Als Höhepunkt des Festes laufen die sechs meist sehr jungen Kampfstiere durch die Altstadt und anschließend in die Stierkampfarena ein. Einige wagemutige Teilnehmer versuchen dabei, einen Teil der Strecke vor oder neben den Stieren her zu rennen, um ihren Mut unter Beweis zu stellen. Dabei gibt es stets zahlreiche Verletzte und manchmal sogar Todesfälle. Deshalb gilt die Stierhatz als sehr umstritten. Auch Tierschützer protestieren regelmäßig gegen die Veranstaltung. „Glücklicherweise“ dauert der eigentliche „Encierro“ nur wenige Minuten.

Weitere Informationen finden Sie hier:

  • Spain.info: Praktische Informationen zum Urlaub in Aragón
  • Pamplona.es: Offizielle Website der Stadt Pamplona